DER SINN DES GANZEN

Der moderne Mensch hat einen Teil der Art und Weise verloren, wie wir die Welt um uns herum immer wahrgenommen haben, einen Teil davon, wie wir es geschafft haben, über Millionen von Jahren zu überleben.

Im Laufe der Evolution war der Panoramamodus der natürliche Weg, sich nicht mehr zu fokussieren und alles um uns herum als Ganzes wahrzunehmen. Für Tiere ist dies eine ständige Erinnerung daran, wie es sich anfühlt, innerlich ruhig, wach und offen für alles zu sein ... und sich sicher zu fühlen.

Anstatt verletzlich oder durch Panik, Angst und Sorgen gelähmt zu sein, unterbricht die Amsel jede zweite Sekunde ihren köstlichen Wurm. Sie ist achtsam, still und aufnahmefähig; sie hält Wache, sie prüft ihre Umgebung auf plötzliche, zufällige Veränderungen.

Wir haben die Notwendigkeit dieser Unterbrechung des Lebensfreuden überwunden – aber damit haben wir auch einen Teil unseres Bewusstseins verloren ... und unsere Fähigkeit, unsere Panik, Angst und Sorgen vorübergehend zu neutralisieren.

Die meiste Zeit nehmen wir solche Reize gar nicht mehr wahr, und genau das ist der Punkt. Früher war es beängstigend, also haben wir mit unseren brillanten abstrakten Fokussierungsfähigkeiten die Ursachen identifiziert und verstanden, dann wussten wir, dass wir solche Reize ignorieren können, oder wir haben die Probleme beseitigt – und damit haben wir die Notwendigkeit für unsere Panoramawahrnehmung beseitigt.

Der Mensch ignoriert das Privileg und das Glück, das wir haben, tatsächlich sicher zu sein. Da wir nun nicht mehr von all den kleinen plötzlichen Bewegungen und Veränderungen in unserer unmittelbaren Umgebung erschreckt werden müssen, können wir unsere reale, taktile Welt einfach weiter wahrnehmen. Wir könnten unser aktuelles eigentliches unmittelbares Leben als Ganzes weiter spüren und uns dadurch ganzheitlich fühlen.

Pflanzen haben "Chemorezeptoren", um die Luft zu riechen und zu schmecken. Jede Amöbe hat Chemorezeptoren und eine allgemeine Empfindlichkeit für Licht und Vibrationen. Der Panoramamodus muss sich vor der Fokussierung entwickelt haben. Er hat sich entwickelt, weil er der direkteste und effektivste Weg ist, das tatsächliche taktile "Gesamtbild" in unserer lokalen Umgebung wahrzunehmen. Alle anderen Lebewesen (und möglicherweise alle anderen Lebensformen) verfügen über diesen Modus, aber wir haben ihn verloren.

Durch die Art und Weise, wie wir unsere Sinne einsetzen, erschaffen wir die Welt, die wir fühlen. Das wurde schon oft gesagt, aber wir verstehen es als einen psychologischen Perspektivwechsel – es wird nur selten direkt auf unsere physischen Sinne angewandt. Die Verwendung der Sinne auf diese Weise ist eine andere Art, das Leben zu erleben und zu verstehen.

Der Panoramamodus ist der Achtsamkeit ähnlich, aber Achtsamkeit wird normalerweise auf eine selektive Fokussierung auf die Atmung oder das innere Körperbewusstsein angewendet. Tiere wenden Achtsamkeit auf eine panoramisches Wahrnehmung mit ihren drei äusseren Sinnen an. Diese ist einer Reihe von Meditationstechniken ähnlich, aber nur wenige sind so grundlegend, natürlich und einfach.

Die Panoramawahrnehmung ist mit religiösen Vorstellungen verwandt. Aber es ist nicht etwas, an das wir glauben müssen, damit es funktioniert. Es ist etwas, mit dem wir alle geboren wurden – kein Geistkörper oder irgendetwas Tiefgründiges oder Philosophisches –, es ist eine praktische physiologische Fähigkeit, die wir unabsichtlich unterdrückt haben.

Jeder aus jeder Kultur könnte es tun, unabhängig von seinen fokussierten Überzeugungen, und koordiniert mit ihnen. Es ist ein gemeinsamer Nenner aller Lebewesen und Menschen aller Kulturen.

Sie werden sich vielleicht fragen: Warum ist nicht schon längst irgendein Verrückter auf diese Idee gekommen? Und ich weiss nicht, warum. Vielleicht ist es eine Folge von Fokussierung und einem blinden Fleck aufgrund eines Tunnelblicks. Es scheint so offensichtlich und grundlegend zu sein, dass ich mir sicher bin, dass einige alte Kulturen davon wussten. (Und es gibt mehrere Youtube-Videos zum Thema "Peripheral Vision", die die von mir vorgeschlagenen Effekte andeuten).

Der Panoramasinn ist eine andere Art und Weise, das Leben zu erfahren, und selbst wenn er sekundär zur Fokussierung eingesetzt wird, ist er eine andere Dimension, eine Tiefenperspektive, und eine neue Art, das Leben zu verstehen.

Der erste unmittelbare praktische Nutzen dieser Tiefenperspektive besteht darin, dass sie selbst uns eine neues Verständniss, für die Geschichte der menschlichen Entwicklung eröffnet. Und damit auch eine Vision für unsere Kultur und das zukünftige Leben auf unserem Planeten.

Kinder werden mit dieser Art, mit der Welt in Kontakt zu sein und sie zu spüren, geboren. Wir müssen unsere zunehmend frühzeitige Erziehung zum fokussierten Lesen, Schreiben und Denken mit einer frühzeitigen Erziehung und Förderung des Panoramamodus ausgleichen. Dies ist ein Geburtsrecht des Menschen.

Früher brauchten wir fokussiertes, abstraktes Denken, um der realen, taktilen Welt einen Sinn zu geben, nun müssen wir die reale, taktile Welt als Ganzes wieder fühlen, um unseren abstrakten Ideen einen Sinn zu geben ... und dann könnte es ein Happy End dieser Geschichte geben.

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