WILLKOMMEN ZUM PANORAMA

Der tierische Sinn des Ganzen

Durch die panoramische Art des Wahrnehmens
sind Tiere mehr involviert und verbunden mit allem, was sie fühlen.
Sie hat sich über Milliarden von Jahren genau aus diesem Grund entwickelt:
Weil sie die direkteste, zuverlässigste Art und Weise ist,
mit allem, was um einen herum geschieht, in Kontakt zu sein.

Terminologie
Die Menschen sind mit dieser Art der Wahrnehmung so wenig vertraut, dass unsere Kultur keinen Namen dafür hat. Ich nenne es Panorama- oder Breitbandsensorik. Panorama-Sensorik ist zunächst ein zugänglicheres Wort. Der neue Kommunikationsbegriff Breitband – mit seiner umfassenden Datenübertragung – beschreibt perfekt, was diese Sinne tun.

Im Englischen verwenden wir den Begriff "peripheral vision", zum Beispiel beim Autofahren. Aber Peripherie bedeutet meist nur die Begrenzung oder den Rand. Wir brauchen klare Worte, um klar zu denken ... Für mich ist es klar, mein Breitband-Sichtfeld hat eine Peripherie. Wir verwenden den Begriff "peripheral hearing", um eine ähnliche, gedämpftes Wahrnehmung für die Geräusche um uns herum zu beschreiben.

Die französische und die deutsche Sprache haben passendere Worte: "la vision panoramique" und "die Rundumsicht". Diese Begriffe sind weit verbreitet und beschreiben den Blick auf Landschaften oder durch Windschutzscheiben und Kameralinsen, oder auch eine übergreifende, philosophische oder politische Weltanschauung. Aber "rundum" und "panoramique" werden nie verwendet, um die elementare Sinnesgruppe und Bewusstseinsform zu beschreiben, die die Panoramasinne und den Breitbandmodus umfasst – sie sollten es aber!

Wenn diese Form der Wahrnehmung schon keinen Namen hat, ist mit einer Vielzahl von unerkannten Auswirkungen zu rechnen, die das mit sich bringt.

Die Breitbandsensorik – Ein Teil der Lebensbilanz
Die Breitbandsensorik führt nicht zu den gleichen mentalen Problemen und hat nicht das gleiche geniale kreative Potenzial wie die Fokussierung. Tiere müssen (sich) fokussieren und reagieren, sobald sie Nahrung oder Gefahr wahrnehmen. Alleine würde der Breitbandsensorik nichts für uns lösen, und Tiere würden verhungern oder gefressen werden. Der Wert des Breitbandsinns liegt darin, einen Gesamtüberblick von dem zu bekommen was rundherum um uns passiert.

Beobachte, wie jede Amsel, die an einem Wurm zieht, ständig nach Gefahr Ausschau hält. Und Hasenohren lauschen immer nach Gefahr , während der Hase frisst. Oder wenn sie dösen, wie der Hase seine Ohren nach außen dreht , offen für Geräusche, und schlafende Vögel haben ein Auge offen.

Tiere nutzen diese Art der Wahrnehmung in Kombination mit all ihren fokussierten Aktivitäten, aber auch beim passiven Dösen. Es ersetzt nicht die Aktivität oder das Dösen, es macht beides sicher. Es ist Teil des Lebendigseins. Broadbanding ist Teil der Mischung.

Es ist nichts Besonderes, jedes Tier tut es. Jedes Tier, ausser dem Menschen. Die Breitbandsensorik ist ein vergessener Teil der Grundbalance des Lebens.

Going Broadband – Sehen
Es gibt viele Qualitäten des Breitbandsensorik. Wir Menschen haben alle ein gewisses unterschwelliges Bewusstsein für das, was um uns herum geschieht, selbst wenn wir in Tagträumen versunken sind.

Gelegentlich haben wir ein intensives Erlebnis von Freude und Erfüllung, indem wir etwas mit unserem Breitbandsehen wahrnehmen. Dies geschieht oft spontan beim Blick in die Ferne über den Ozean oder bei einer Panoramalandschaft. In diesen Momenten fokussieren wir uns auf nichts Bestimmtes, wir staunen einfach über alles, und es öffnet unsere Sinne auf eine besondere Art. Wir können unsere Augen auf die Breitband-Weise benutzen, um ein gewisses Mass dieses Gefühls wieder zu empfinden, ohne etwas Grossartiges oder Schönes wahrnehmen zu mussen.

Wenn Sie beide Hände vor die Augen halten, bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie es ist, ohne einen zentralen Fokuspunkt zu sehen. Dann könntest du dich vielleicht schnell in das Gefühl hineinversetzen, wenn Du ein leeres Blatt A4 nimmst. Falte es in der Hälfte (für etwas Stabilität), und halte es seitlich vor Deine Augen. Fokussiere Deine Augen darauf, aber schaue dir die interessanten Dinge an, die überall um das Blatt herum geschehen. Bewege es Schritt für Schritt weiter weg, bis es eine entspannte Armlänge entfernt ist. Fokussiere weiterhin darauf, aber konzentriere dich immer nur auf alles, was um es herum geschieht.

Sobald Du dies wirksam tun kannst, suche eine leere Wand oder einen monotonen Himmelsbereich, irgendetwas, das keinen Brennpunkt hat, und fokussiere darauf – während Du alles andere wahrnimmst. (Wenn das zu schwierig ist, dann suche einen langweiligen, unbeweglichen Brennpunkt geradeaus, fokussiere darauf, aber konzentriere dich auf alles andere.)

In Kapitel drei werden viele andere Ansätze für das Breitbandsehen besprochen. Aber Du wirst bereits ein Gefühl für die ovale Form Deines Panorama-Sehfeldes haben. Wenn Du draussen bist, wirst Du viele Dinge sehen, die sich bewegen, nehme sie einfach alle wahr, aber betrachte weiterhin das Gesamtbild.

Meine Erfahrung ist, dass ich, anstatt die Welt wie einen Fernsehbildschirm zu betrachten, das Gefühl habe, dass ich mich direkt im Bildschirm befinde. Das normale Gefühl des Subjekts, das auf ein Objekt schaut, ist ganz anders – Broadbanding ist ein "Sein mit" dem, was ich sehe, anstatt es anzuschauen.

Fokussieren trennt, Broadbanding integriert
Das fokussierte Denken entwickelte sich, um die Unterscheidung und Beziehung zwischen Objekten zu verstehen. Fokussiertes Wahrnehmen entwickelte sich, um Dinge zu tun und beinhaltet daher immer einen Handelnden und ein Getanes, ein Subjekt und ein Objekt.

Mit der panoramischen Art des Wahrnehmens fühlen sich die Tiere mehr involviert und verbunden mit allem, was sie wahrnehmen. Sie hat sich über Milliarden von Jahren genau aus diesem Grund entwickelt: Weil sie die direkteste, zuverlässigste Art ist, mit allem, was um einen herum geschieht, in Kontakt zu sein.

'Broadbanding' gehört zu jener Sammlung seltener Wörter wie Liebe und Empathie, als ein Seinszustand, in dem das Subjekt eng mit dem Objekt verbunden ist.

Der Breitbandmodus ist eine Grunderfahrung für jede Philosophie oder Psychologie des Menschen. Denn ohne ihn erleben wir nur eine begrenzte Version dessen, was der Mensch tun und sein kann; und folglich verstehen wir den Menschen nur im Kontext einer Beziehung zwischen den Brennpunkten: "Ich" und "Gott"; oder Selbst und Welt – ohne das panoramische Gefühl der Integration.

Aus der Art und Weise, wie wir wahrnehmen und wie wir unsere Sinne einsetzen, erschaffen wir die Welt, die wir fühlen. Das wurde schon oft gesagt, aber wir verstehen es als einen psychologischen Perspektivwechsel – es wird nur selten direkt auf unsere physischen Sinne angewendet. Es ist nichts Mystisches oder Metaphysisches, es ist nicht einmal philosophisch, es ist nur auf den ersten Blick etwas seltsam: Ich schlage eine physiologische Methode vor, die Sinne zu nutzen, wach zu sein, jetzt, und sich mit unserer unmittelbaren Umgebung verbunden zu fühlen.

Bitte fortfahren mit Das Einfache Gefühl des Jetzt

zurück zum Index